1. FC Union: Neues Stadion
Geschrieben von: Bianca Ziegler
Ob es Glück bringt, in einem neuen Stadion das erste Spiel gleich zu verlieren? Sozusagen die Generalprobe im neuen Stadion - im Theater funktioniert es ja, wenn diese schiefgeht. Sei es drum; in der Alten Försterei jedenfalls haben die Fans des 1. FC Union ein neues Stadion für den Zweitligisten gebaut. Erste Spiel: Hertha BSC gegen den 1. FC Union - mit einer Niederlage für Zweiteren.
Der 1. FC Union besteht nicht nur aus der Mannschaft an sich, sondern eindeutig auch aus den treuen Fans - immer wieder faszinierend, wie diese ihrem Verein die Treue halten und ihm neue Möglichkeiten bieten! Die Fans nämlich waren es, die ein gutes Jahr lang an der Alten Försterei gebastelt und geschustert haben, die viel Schweiß und vor allem Liebe zu ihrem Verein investiert haben, bis ein Stadion entstand, welches für die Profiklasse geeignet ist. 2.000 Fans renovierten das Stadion, stellten ihren eigenen Urlaub dafür zur Verfügung und ackerten für den 1. FC Union, bis die Hände Schwielen trugen. Ohne Gehalt, ohne Lohn.
Nach dem Motto "Einmal Unioner, immer Unioner" scheinen die Fans und damit auch der Verein einmalig und besonders zu sein. Welcher Fan eines anderen Vereins würde gut 2.000 weitere motivieren können, um ein Stadion der Mannschaft zu richten? Das ist Teamgeist, das ist mehr als sportlich! Sicherheitsmängel am Stadion waren es, die fast zur Schließung der Alten Försterei führten; die Sanierung war finanziell weder für das Land Berlin, noch für den Köpenicker Verein zu stemmen. Das Bezirksamt Treptow / Köpenick konnte lediglich einen Zuschuss von 600.000 Euro leisten - alles andere erledigten die Fans und der Traditionsclub ohne fremdes Zutun!
Die Zahlen bringen noch mehr zum Staunen: 40.000 Arbeitsstunden leisteten die ergebenen Fans - mit einem Wert von insgesamt zwei Millionen Euro! Das zog natürlich internationale Presse an: Verwundert über den Eifer und doch interessiert bestaunten Reporter aus Italien, Spanien, der Ukraine und sogar aus dem fernen Japan das Treiben der Union-Fans. Für diese allerdings eine Selbstverständlichkeit - wozu hat man denn treue Anhänger?
Projektleiterin des unglaublichen Vorhabens war Sylvia Weisheit. Sie organisierte und plante, teilte ein und verteilte Arbeit. Irgendwann wurde das Tun geradezu natürlich: Ab 7.00 Uhr tummelte sich eine Schar an fleißigen Helfern in allen Winkeln des Stadions, die gegen 12.00 Uhr in einem Zelt eintrafen, um zusammen zu essen, anschließend wieder ausströmten und ihrer Arbeit nachgingen, die intern eher als "verrücktes Hobby" bezeichnet wurde. Die Sommer- und Wintermonate vergingen; es wurde warmer Kakao im Winter, Eis im Sommer ausgeteilt, zwischendurch gab es Kaffee und Kuchen als Dankeschön.
Bei minus zehn Grad halfen noch immer einige Arbeiter mit; ja sogar zwischen Weihnachten und Neujahr war auf der Baustelle reges Treiben zu beobachten. Wind und Wetter, Regen und Schnee - nichts schien die Union-Fans von ihrem Vorhaben abzuhalten. Dirk Zingler, Union-Präsident, bedankte sich dafür zwischendurch persönlich mit einer Kiste Bier. Mit einer Familie vergleichen die Helfer selbst die entstandene Einheit, die Fans und Club bildeten.
Eine kleine Zerreißprobe gab es gegen Ende des gemeinschaftlichen Bauwerkes: Der Eröffnungstermin rückte näher, das Dach musste noch her. Ihrem Perfektionismus folgend, wurden die eisernen Fans langsam gereizt - aus gutem Grund, musste doch alles rechtzeitig genau passen. Und das wurde geschafft. Wenngleich das erste Spiel gegen die Hertha verloren war, gab es doch einen Sieg zu feiern: Der 1. FC Union hat sein Stadion wieder; von den unglaublichen Fans in harter Arbeit über ein Jahr geschaffen. Ein Baustellentagebuch und eine Dankesliste veröffentlichte der Verein auf seiner Homepage.
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