Flughafen Tempelhof: Gehasst - geliebt, stillgelegt - belebt
Geschrieben von: Bianca Ziegler
Ein Flughafen mitten in Berlin - sicher wurde er während seines eigentlichen Betriebes von Anwohnern aufgrund des Lärms mehr als einmal verflucht. Dann im Oktober 2008 die Stilllegung. Nach dem Motto: "Man weiß erst, wie sehr man etwas liebt, wenn man es verliert", waren die Reaktionen der Berliner äußerst heftig. Der stillgelegte Flughafen Tempelhof verweilt nun aber nicht im Dornröschenschlaf, sondern noch immer herrscht reger Flugverkehr:
Auf den 280 Hektarn Flugfeld am ehemaligen Flughafen Tempelhof finden sich zahlreich die Mauersegler ein. Nein, die Mauersegler erinnern nicht an den Mauerfall, der sich heuer zum 20. Mal jährt. Es handelt sich vielmehr um eine Vogelart, die auf dem Flugfeld ihre Nahrung sucht. Neben dem hohen, schrillen Geschrei der beutesuchenden Mauersegler, die sich insbesondere zwischen Mai und August hierzulande aufhalten, vernimmt der stille Stimmsuchende außerdem den lieblichen Gesang der Feldlerche. Am Firmament geben sich Habichte, Turmfalken, Neuntöter und Gartenrotschwanz mit dem Bachpieper ein wohlgestimmtes Stelldichein, um dem ehemaligen Flughafen Tempelhof eine Hitchcock-ähnliche Atmosphäre zu verleihenDämmerlicht, zwischendurch ein schwarzer, auffliegender Schatten, gepaart mit dem Gesang der hier nun beheimateten Vögel. Eine Atmosphäre, wie der Flughafen selbst zu Lebzeiten: Polarisierend. Idyllisch und doch Respekt einflößend. Und: Für den interessierten Hobby-Vogelkundler zu sehen beim "Langen Tag der Stadtnatur". Am 04. und 05. Juli wird man nicht nur die Vogelwelt am Rollfeld des ehemaligen Flughafen Tempelhofs hören, sondern auch einen Bus, der interessierte Besucher über das Areal fährt.
Noch haben die Vögel das Anrecht auf den ehemaligen Flughafen Tempelhof. Ganz ohne Streitigkeiten über Mietverträge, wie aktuell zwischen CDU und den Veranstaltern der Modemesse Bread & Butter, ganz ohne Politik, ganz ohne Geld. Aber: Der ehemalige Flughafen Tempelhof wird nicht ewig eine Unterkunft für die reichhaltige Fauna mitten in Berlin bleiben dürfen; die Stadt hat großes vor! Michael Gödde, Senatsverwalter für Stadtentwicklung, spricht von einer schrittweisen Bebauung; hier gäbe es genügend Platz für Gebäude. Platz ist auch für entsprechende Ideen: Die Bundeswehr hätte gerne einen Neubau, Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister, spricht sich für eine neue Zentralbibliothek aus. Ein kulturreiches Militär-Naturschutzgebiet also?
Noch wird diskutiert; eine genaue Planung liegt noch nicht vor. Hieß es voriges Jahr noch von Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Stadtentwicklungssenatorin, man wolle den ehemaligen Flughafen Tempelhof bald freigeben, ist eine Öffnung bislang noch nicht konkret terminiert. Mittlerweile munkelt man über eine Öffnung im Herbst dieses Jahres - wann nun genau was kommt, ist also absolut ungewiss. Eines steht aber fest: Bis zum Spätherbst dürfen sich die nun dort heimischen Vögel noch austoben - anschließend geht es in den warmen Süden und dann vielleicht nie wieder zurück zum dann eventuell schon wieder von Menschen belebten Flughafen Tempelhof.
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